Passauer neue Presse vom 15.04.2018

Beleidigung im Einsatz – da brennt’s lichterloh

Klagen bei Feuerwehr-Kommandanten-Dienstversammlung über vermehrte Anfeindungen Aktiver – Landrat lobt Hilfe vor allem nach Orkan "Kolle"

 

Pocking. Feuer unterm Dach ist bei den Feuerwehren im Landkreis – jedoch nicht wegen der längst erreichten Belastungsgrenze durch immer häufigere und schwierigere Einsätze. Nein, der Kragen platzt der Feuerwehrfamilie, wie es Landrat Franz Meyer bei der Kommandanten-Dienstversammlung am Donnerstagabend in der vollbesetzten Pockinger Stadthalle formulierte, wegen zunehmender Übergriffe auf Hilfskräfte. Umso nachdrücklicher verlangte er Respekt.
Hochachtung vor denen, die ehrenamtlich für den Nächsten da sind – diese Forderung formulierte Meyer, selbst in Uniform erschienen, unter dem Beifall der Verantwortlichen der 153 gemeindlichen Feuerwehren, der Vertreter der 155 Feuerwehrvereine und der Funktionäre der Kreisbrandinspektion. Er ging auch mit jenen ins Gericht, die Feuerwehrleute in ihrer Rolle als Sicherungskräfte und Parkeinweiser bei Veranstaltungen beschimpften.
Der Landrat rief dazu auf, in der Jugendarbeit nicht nachzulassen. "Unsere Heimat war und ist ohne Feuerwehren nicht vorstellbar", fügte er hinzu und dankte den Aktiven insbesondere für das Fundament des Helfens beim Katastropheneinsatz nach Orkan Kolle.
Auf dieses Schreckensszenario richtete denn auch Kreisbrandrat Josef Ascher den Fokus seines Jahresberichts, der die stattliche Anzahl von 3702 Einsätzen mit Schwerpunkt auf technischen Hilfeleistungen (2647) ausweist. Allein nach "Kolle" seien 91 Feuerwehren ausgerückt. Aschers Fazit aufgrund der Tatsache, dass es keine Verletzten gab: "Wir hatten wahnsinniges Glück." Die Summe der durch die Aktiven und die Führungsdienstgrade geleisteten Einsatzstunden bezifferte er auf 85022 im vergangenen Jahr. Täglich seien im Schnitt 15 Feuerwehren im Einsatz gewesen.
Hochgerechnet über die Jahresstundenzahl eines Arbeitnehmers bei einer 40-Stunden-Woche entspreche diese Bilanz der Arbeitsleistung eines mittelständischen Gewerbebetriebs mit 58 qualifizierten Beschäftigten, rechnete der Kreisbrandrat vor. Nach Schadenslagen wie in der Folge von "Kolle" sehe jeder die Notwendigkeit der Feuerwehren, doch dies werde sehr schnell wieder vergessen – zum Beispiel die Tatsache, dass Feuerwehrleute ihr Leben aufs Spiel setzten, um anderen zu helfen, wie Ascher erinnerte.
Der Kreisbrandrat machte sich auch für mehr Eigenverantwortung in der Bevölkerung stark, was die Alarmierung der Feuerwehr betrifft. "Nur die 112 wählen und dann weiterfahren", so lautete ein wesentlicher Kritikpunkt. Umso mehr freute er sich über eine nachhaltige Altersstruktur in der aktiven Truppe, die hohe Einsatz- und Weiterqualifizierungsbereitschaft, das sehr hohe Ausbildungsniveau, die starke Beteiligung an Leistungsprüfungen sowie die Investitionen der öffentlichen Hand ins Feuerwehrwesen.
Der steigende Verwaltungsaufwand war Kreisbrandinspektor Alois Fischl ein Dorn im Auge. Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands beklagte sich auch darüber, dass die Feuerwehren "zu oft als Mädchen für alles missbraucht" würden. Stolz erwähnte er die Zentralisierung der Ausbildung im Bereich "Halten, Rückhalten, Absturzsicherung" bei der Feuerwehr Hutthurm, die Ansiedlung der Ausbildung am Schaumtrainer bei der Feuerwehr Obernzell sowie die vielfältigen Aktionen zur Nachwuchswerbung, verstärkt auch in den sozialen Medien: www.ich-will-zur-jugend-feu- erwehr.de lautet die Adresse der entsprechenden Homepage.
Ein Lob gab es von Fischl für das 2017 neu aufgestellte Team zur psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte im Landkreis unter Leitung von Feuerwehrpfarrer Alexander Aulinger. In einer der Expertenrunden der Versammlung stellte Kerstin Poschinger die geleistete Arbeit vor. Erklärtes Ziel sei, "dass keiner mehr den Dienst quittieren muss, weil es ihm zu viel geworden ist".
Für besondere Verdienste geehrt wurden Stefan Bauer (Feuerwehr Straßkirchen), Alexander Kühmeier (Feuerwehr Neuburg am Inn) und Josef Moritz (Feuerwehr Leoprechting) und Dieter Thumfart, Geschäftsleiter der Firma Electrovac in Salzweg, für die großzügige Unterstützung der Feuerwehr. Mit viel Beifall beglückwünschten die Kommandanten und Vereinsfunktionäre Fachkreisbrandmeister Norbert Königsbauer zur Ehrung für 40 Jahre aktiven Dienst und 25 Jahre ehrenamtliches Engagement in der Kreisbrandinspektion durch Regierungspräsident Rainer Haselbeck. - bp

 

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